Warum Kultur am Rande?

Wir sind - oder nennen uns so - eine Wohlstandsgesellschaft.

Verglichen mit dem Rest der Welt geht es uns ja auch gut. Vom Lebensstandard eines deutschen Sozialhilfeempfängers kann die dritte Welt nur träumen.

 Also - alles heile Welt?
Weit gefehlt.

Die Ränder unserer Gesellschaft leben in der sozialen Kälte. Das obere Drittel der Gesellschaft zahlt (murrend) Steuern - das Drittel ganz oben zahlt gar nichts mehr und überlässt das untere Drittel dem Staat: Steuer als Alibi.

 Am liebsten würde man die Ränder der Gesellschaft in ein Getto befördern - dort sieht man sie nicht mehr.

Kultur am Rande ist am Rand der Gesellschaft, weil wir uns nicht damit abfinden, Ausgegrenzte nur materiell zu versorgen.

 

 Entgegen dem allgemeinem Vorurteil haben auch die Ränder der Gesellschaft ein Bedürfnis an Kultur. Das ist sogar in der Sozialgesetzgebung anerkannt.

Es ist aber nicht damit getan, ihnen einmal im Quartal eine Eintrittskarte für das xyz-Theater zu bezahlen. Kultur heißt Teilnahme am kulturellen Leben.

 Von seinen Anfängen an - auch als es ihn formell noch gar nicht gab - hat der Verein Kultur am Rande mit den und für die Ausgegrenzten unser Gesellschaft Kultur gemacht.

 Das rege Interesse und die breite Unterstützung der Esslinger Bürgerinnen und Bürger hat den Erfolg der Arbeit erst möglich gemacht.

 Wir sind zwar am Rande der Gesellschaft tätig, aber die Mitte nimmt Anteil an unserer Arbeit.

Der Verein ist keine Insel am Rande von Kultur, er ist eher eine Neckarinsel, die vielfältige Verbindungen mit dem Festland hat.

Gegen den Kulturkonsum

Kultur lebt von der Basis. Mozart war stolz darauf, daß die Gassenjungen seine Melodien gepfiffen haben.

 Kultur, die nur noch mit Millionenaufwand betrieben werden kann, wird zum Konsumgut und verliert ihren Wert.

 Wer nur noch passiv konsumiert, verblödet vor der Glotze. Nichts gegen Spitzenleistungen - aber auch Gründgens hat an einer Schmiere angefangen. Ohne die Schmiere hätte es keinen Gründgens gegeben.

Kultur am Rande hat den Mut, mit bescheidenen Mitteln Kultur zu machen und zu leben.

 Klar, wir konkurrieren nicht mit der Mailänder Scala, auch wenn wir einen guten Sänger haben. Wir wollen aber mit unseren Mitteln selbst Kultur machen.

Wenn es nicht perfekt ist, dann ist es eben unvollkommen - sei’s drum.

Aufführungen wie Obdachlose nähern sich Oskar Schlemmer beweisen, dass man auch mit einfachen Mitteln Theater spielen kann.